Das Gent Festival van Vlaanderen verteidigt die Entscheidung, das geplante Konzert der Münchner Philharmoniker unter Leitung des israelischen Dirigenten Lahav Shani abzusagen. Laut künstlerischem Leiter Jan Van den Bossche sei die Wahl „nach reiflicher Überlegung“ getroffen worden und „in keiner Weise von Antisemitismus eingegeben“.

„Wir haben in der Vergangenheit, und auch im nächsten Jahr erneut, oft israelische und jüdische Musiker zu Gast“, sagt Van den Bossche. „Sogar das Israelische Philharmonische Orchester trat bereits mehrfach in Gent auf. Von Antisemitismus kann hier absolut keine Rede sein. Lahav Shani ist zudem ein fantastischer Künstler.“

Das Festival betont, dass die Absage ausschließlich mit Shanis Funktion als Chefdirigent des Israelischen Philharmonischen Orchesters zusammenhängt. „Dieses Orchester befindet sich heute in einer sehr grauen Zone. Wir wissen nicht, wo er in diesem Konflikt steht, und Völkermord lässt unserer Ansicht nach keinen Raum für Unklarheit“, so Van den Bossche.

Das Festival erklärt, Shani mehrfach die Gelegenheit gegeben zu haben, seinen Standpunkt zu verdeutlichen, habe jedoch als Antwort erhalten, dass es keine weitere Klarstellung geben werde. „Wir sind nicht leichtfertig vorgegangen. Es wurde ausführlich mit Stakeholdern und sozialen Akteuren beraten. Schließlich ist die Entscheidung im Einklang mit dem, was in der Gesellschaft lebt, und mit dem Aufruf des Ministers, der Stadtverwaltung von Gent und des Kultursektors getroffen worden.“

Laut Van den Bossche ist der politische Kontext dabei unvermeidlich. „Wir sehen auch eine Verantwortung bei der belgischen Politik. Die Haltung der Entscheidungsträger ist nicht immer klar. Aber es gab einen Aufruf des flämischen Kulturministers und des Genter Kultursektors, und den konnten wir als Organisation nicht ignorieren.“ Dennoch unterstreicht er, dass die Kernmission des Festivals bestehen bleibt. „Was wir einzig und allein wollen, ist Musik bringen, Freude bringen, Menschen zusammenbringen. Musik ist für uns eine verbindende Kraft, kein politisches Statement.“