Die Debatte um den Eurovision Song Contest 2026 spitzt sich zu: Mehrere Länder – darunter Irland, Spanien, die Niederlande und Slowenien – drohen mit Boykott, sollte Israel antreten. Andere wie Finnland, Schweden und Belgien halten ihre Entscheidung bis Dezember offen. Die EBU (European Broadcasting Union), Veranstalterin des ESC, hat die Frist für Rücktritte ohne Vertragsstrafen bis Dezember verlängert.

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer warnt vor Ausgrenzung: „Der ESC wurde von der EBU mit der Idee gegründet, bringing nations together through music – Nationen durch Musik zu verbinden. Wer heute Israel ausschließt, stellt diesen Grundgedanken auf den Kopf und macht aus einem Fest der Verständigung ein Tribunal. Der ESC lebt davon, dass Künstlerinnen und Künstler nach ihrer Kunst, nicht nach ihrer Nationalität beurteilt werden. Cancel Culture ist keine Antwort – die Antwort sollte Vielfalt und Zusammenhalt heißen.“

Staatsminister Weimer weist auf die Entstehung des ESC hin: „Gerade, weil der ESC aus den Trümmern des Krieges geboren wurde, darf er nicht zu einer Bühne der Ausgrenzung verkommen. Wenn Europa den ESC schwächt, gewinnen andere das Feld – Russland etwa versucht längst, mit einer Neuauflage des alten Ostblock-Wettbewerbs ‚Intervision‘ eine eigene Gegenwelt aufzubauen.“

Hintergrund: Der Eurovision Song Contest wurde 1956 von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) in Lugano ins Leben gerufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das neue Medium Fernsehen Europa kulturell zusammenführen – über Grenzen hinweg, mit Musik als gemeinsamer Sprache. Inspiriert vom Sanremo-Festival in Italien entstand ein Format, das bis heute einzigartig ist: eine Bühne für Verständigung, Vielfalt und künstlerische Freiheit.

Der ESC ist längst die größte nicht-sportliche Live-Veranstaltung der Welt mit mehr als 160 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern jährlich. Er hat Weltstars wie ABBA, Céline Dion oder Måneskin hervorgebracht und gilt als Symbol für Offenheit und kreative Vielfalt in Europa.