Nach aufwändiger Instandsetzung und Modernisierung ist die denkmalgeschützte Beethovenhalle Bonn in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 16. Dezember 2025 feierlich wiedereröffnet worden. Damit steht ein prägender, historischer Ort der sogenannten „Bonner Republik“ wieder als Heimstatt des Beethoven Orchesters Bonn zur Verfügung. Und die Öffentlichkeit darf sich auf eine hochmoderne Veranstaltungsstätte mit exzellenter Akustik freuen. 

Theodor Heuss, der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, hatte am 16. März 1956 den Grundstein für die heutige, dritte Beethovenhalle gelegt. Die erste Beethovenhalle war als temporärer Holzbau für das erste große Beethovenfest anlässlich des 75. Geburtstages von Bonns berühmtestem Sohn, dem Komponisten Ludwig van Beethoven, im Jahr 1845 erbaut worden. Die zweite Beethovenhalle von 1870/1871 als dauerhafte Konzert- und Festhalle war im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1944 zerstört worden. 

So entstand unmittelbar am Rhein zwischen 1956 bis 1959 der dritte Bau, in dem die Bundesversammlung zu den Hauptstadtzeiten Bonns viermal den Bundespräsidenten wählte (1974 Walter Scheel, 1979 Karl Carstens und 1984 sowie 1989 Richard von Weizsäcker). Zudem wurden in der Beethovenhalle unter anderem Bundespressebälle, Kultur- und Brauchtumsveranstaltungen, Versammlungen und Tagungen und sogar eine UN-Klimakonferenz und ein Empfang für Papst Johannes Paul II. ausgerichtet. Die Bandbreite der Veranstaltungen stellt einen Querschnitt der Bonner Historie von der Bundeshauptstadt zur Bundesstadt und deutschen Stadt der Vereinten Nationen dar.

Oberbürgermeister: „Eines der bedeutendsten Bauwerke der jungen Bundesrepublik“

„Die Beethovenhalle ist ein international bekanntes Wahrzeichen Bonns und eines der bedeutendsten Bauwerke der jungen Bundesrepublik“, sagte Bonns Oberbürgermeister Guido Déus in seiner Begrüßung der rund 1.600 Festgäste zur langen „BeethovenNacht“. Die Beethovenhalle vereinige Kunst, Kultur, Politik und Geschichte. Die wichtigste Aufgabe der Beethovenhalle sei die Pflege der Musik Beethovens, weswegen sie auch die Heimat des Beethoven-Orchesters Bonn und Spielstätte des jährlichen Beethovenfestes sei. „Sie ist ein Ort, an dem Musik und Kultur lebendig werden und an dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam unvergessliche Momente zu erleben“, so Guido Déus weiter. „Ihr Beitrag ist von unschätzbarem Wert und wird für kommende Generationen von großer Bedeutung sein.“
Der Oberbürgermeister dankte an diesem Abend seiner Vorgängerin Katja Dörner, die nach Schwierigkeiten auf der Baustelle vor drei Jahren den entscheidenden Schritt gewagt und dem Rat vorgeschlagen hatte, einen externen Projektsteuerer zur Sanierung der Beethovenhalle zu engagieren, sowie Steffen Göbel, der in der Folge ab 2022 die Projektleitung übernahm, seinem Team, dem Städtischen Gebäudemanagement Bonn mit dem Projektteam Beethovenhalle sowie Drees & Sommer als Projektsteuerer. „Mein weiterer großer Dank gilt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Verein Pro Beethovenhalle, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Sparkasse KölnBonn für die finanzielle Unterstützung, ebenso wie dem Lions Club Bonn und der Volksbank Köln-Bonn. Ohne sie könnten wir heute Abend keine Wiedereröffnung feiern.“

Bundespräsident: "Ein Teil unserer Demokratiegeschichte"

Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1959 sei die Beethovenhalle „zum Wahrzeichen für die Stadt Bonn“ und zum „kulturellen Erbe unseres Landes“ geworden, hob Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede hervor. „Ich freue mich sehr, dass wir heute dieses Wahrzeichen zu neuem Leben erwecken dürfen.“ Die Beethovenhalle sei dem größten Sohn der Stadt gewidmet. Sie sei aber auch „ein Ort der Demokratiegeschichte“. Und sie sei ein Ort, für den sich die Bürgerinnen und Bürger einsetzten – damals wie heute. „Genau dieser Geist einer vielfältigen Bürgergesellschaft spiegelt sich ja auch in der Bundesversammlung wider, die hier viermal getagt hat. In diesem Sinne ist die Beethovenhalle auch ein politischer Ort, sie gehört zum politischen Gedächtnis der Bundesrepublik“, sagte der Bundespräsident.
In Bonn als Bundeshauptstadt schlug „fast fünf Jahrzehnte das Herz unserer parlamentarischen Demokratie, dass Bundesregierung und Bundesrat hier ihren Sitz hatten und auch der Bundespräsident, all das ist Teil unserer Geschichte und Teil unserer Identität. So wie auch die Beethovenhalle Teil unserer Demokratiegeschichte und unserer Identität ist.“

NRW-Kulturministerin: „Meilenstein für die Kulturlandschaft“

Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen: „Die Wiedereröffnung der Beethovenhalle ist ein Meilenstein für die nordrhein-westfälische Kulturlandschaft und weit darüber hinaus! Der ikonische Bau der Bonner Republik wird den Bürgerinnen und Bürgern wieder zugänglich gemacht und präsentiert sich so offen für jede und jeden, wie es einst in den jungen Jahren der Demokratie beabsichtigt war. Das Beethovenorchester Bonn und das Beethovenfest haben hier eine zentrale Spielstätte wiedergewonnen, die ihre Vergangenheit stolz zeigt und zugleich in die Zukunft weist: Dank modernster Technik wird hier ein ressourcenschonender Betrieb ermöglicht.“

Hochmoderne Veranstaltungsstätte mit exzellenter Akustik

Der Bundesstadt Bonn ist es gelungen, die Beethovenhalle als kultur- und bundespolitisches Erbe Bonns zu erhalten und zu einer hoch-modernen Veranstaltungsstätte mit einer exzellenten Akustik weiterzuentwickeln. Davon konnten sich die 1.600 Festgäste bei der langen „BeethovenNacht“ zur Wiedereröffnung überzeugen. Das Beethoven Orchester Bonn mit seinem Generalmusikdirektor Dirk Kaftan spielte Beethovens Ouvertüre zum Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ C-Dur op. 43, das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58 mit dem Pianisten Fabian Müller als Solisten, „Everything, always“ von Sara Glojnarić sowie Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 2 c-Moll, „Die Auferstehungssinfonie“, mit Katerina von Bennigsen (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Cameron Carpenter an der generalüberholten Klais-Orgel und dem Bundesjugendchor.

„Mit großer Freude können wir ab jetzt die Beethovenhalle wieder zum Klingen und Schwingen bringen. Nach unserer Vision wird die Halle zum musikalischen ‚Wohnzimmer‘ der Stadt, lebendiges Zentrum von uns, unserer hier anwesenden Partner und aller möglicher Akteure der Bonner Szene. Die Halle soll ein Fenster in die überregionale Musikwelt werden“, meinte Generalmusikdirektor Dirk Kaftan.

Aufwändige Sanierung

Zu den wichtigsten Maßnahmen der Sanierung und denkmalgerechten Instandsetzung, die im Herbst 2016 begann und in die rund 221 Millionen Euro investiert wurden, gehörten:

  • Erhalt der denkmalgeschützten Bausubstanz einschließlich der markanten Gebäudehülle, der hochwertigen originalen Ausstattung und Oberflächen, wie beispielsweise der historischen Wandvertäfelungen und der charakteristischen Akustikdeckenkonstruktion im Großen Saal.
  • Akustische Optimierung des Großen Saals, sodass dieser wieder höchsten internationalen Konzertstandards entspricht.
  • Technische Erneuerung der gesamten Haustechnik, inklusive Lüftung, Heizung, Elektro- und Bühnentechnik, um den heutigen Sicherheits- und Komfortstandards zu genügen. Zentrale Elemente der gesamten Gebäudetechnik haben ihren Platz unterhalb des Hallendaches sowie in einem unterirdischen Technikbauwerk gefunden.
  • Barrierefreier Ausbau, der unter anderem Aufzüge, barrierefreie Wegeführungen und Toiletten einschließt.
  • Brandschutz- und energetische Sanierung nach aktuellen Vorschriften, ohne die denkmalgeschützten Elemente zu beeinträchtigen.
  • Ausbau des Studios zu einem Veranstaltungsraum mit Hub-Podien.
  • Restaurierung originaler Ausstattungselemente, wie Türen, Leuchten und Bodenbeläge, sowie detailgetreue Rekonstruktionen dort, wo Originale nicht mehr erhalten waren.
  • Restaurierung der Klais-Konzertorgel
  • Umgestaltung und Aufwertung der Außenanlagen zu einem Beethoven-Park, einschließlich des Zugangsbereichs und des Umfelds am Rhein.

Über die Beethovenhalle

Bereits 1845 wurde anlässlich des ersten Beethovenfestes eine erste Beethovenhalle in Bonn errichtet, die jedoch nur anlässlich der Feierlichkeiten bestand. 1870 wurde ein erster dauerhafter Bau errichtet. Diese zweite Beethovenhalle stand unweit der Kennedybrücke entlang der Straße Berliner Freiheit und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

1954 beschloss die Stadt Bonn den Bau einer neuen Beethovenhalle, um sowohl dem kulturellen Erbe Beethovens gerecht zu werden als auch ein modernes Konzerthaus zu schaffen. Der Entwurf stammt von Architekt Siegfried Wolske (1925-2005), einem Schüler Hans Scharouns, der einen markanten Bau mit geschwungenem Dach und lichtdurchfluteten Foyers plante. Am 8. September 1959 wurde die neue Beethovenhalle feierlich eröffnet. Sie wurde eines der bekanntesten Konzerthäuser Deutschlands und ein bedeutendes Beispiel der Nachkriegsmoderne. Aufgrund ihrer besonderen Architektursprache in den Formen des „organischen Bauens” sowie aufgrund ihrer Geschichte und Nutzung während der Hauptstadtzeiten Bonns wurde die Beethovenhalle bereits 1990 unter Denkmalschutz gestellt.

Nach denkmalgerechter Instandsetzung und Modernisieren ist die Beethovenhalle - neben Konzerten und Kulturveranstaltungen - ideal für Tagungen und Firmenveranstaltungen. Sie bietet Platz für Events mit bis zu 3.200 Personen, davon im Großen Saal für rund 1.700 Personen. Das Studio der Beethovenhalle wird in Zukunft nicht nur der Proberaum für das Beethoven Orchester Bonn sein, sondern wurde als neuer Kammermusiksaal mit rund 500 Plätzen konzipiert.

Übertragung

Das Konzert wird von WDR 3 und Deutschlandfunk Kultur live gesendet. 

Der Konzertmitschnitt kann in den kommenden 30 Tagen bei wdr3.de im WDR 3 Konzertplayer oder in der Deutschlandfunk-App nachgehört werden.

Das Konzert wird von der Deutschen Welle live auf dem YouTube-Kanal DW CLASSICAL MUSIC gestreamt und ist dort im Anschluss weiter verfügbar (https://www.youtube.com/live/dqjwijsb518).

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