Musikdrucke
RISM verzeichnet auch Gedächtnis-Materialien der Staatskapelle Dresden, wie diese Drucke aus dem 16. und 17. Jahrhundert.  
Foto:  Ramona Ahlers-Bergner  /  SLUB Dresden

Anlässlich ihres 70-jähringen Jubiläums lädt die Ländergruppe Deutschland des Internationalen Quellenlexikons der Musik (RISM) gemeinsam mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) am 13. und 14. November 2025 zu einer interdisziplinären Tagung ein. Unter dem Titel Musikdrucke im digitalen Wandel. Perspektiven ihrer Dokumentation, Repräsentation und Vernetzungkommen Vertreterinnen und Vertreter aus Musik-, Buch- und Informationswissenschaft sowie Kunstgeschichte in der SLUB Dresden zusammen. Sie diskutieren aktuelle Methoden und neue Forschungsperspektiven im Umgang mit historischen Musikdrucken im digitalen Zeitalter. Die Tagung ist öffentlich zugänglich, die Teilnahme kostenfrei.

Musikdrucke im digitalen Wandel: Historische Quellen weltweit zugänglich machen

1501, knapp 50 Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks, erschien in Venedig der erste Musikdruck Harmonice musices Odhecaton A.  Wie Gutenberg die Textwelt revolutionierte, verwandelte der verantwortliche Drucker Ottoviano Petrucci die Musikwelt, erleichterte der Druck doch die Zugänglichkeit und Verbreitung von musikalischen Werken.

Die musikalische Überlieferung in Druck und Handschrift zu dokumentieren, ist das Ziel des 1952 gegründeten Internationalen Quellenlexikons der Musik (RISM). Es ermöglicht damit einen für Forschung und künstlerische Praxis unerlässlichen Zugang zu historischen Quellen, die in Bibliotheken, Archiven, Kirchen, Schulen und Privatsammlungen verwahrt werden. Die Ländergruppe Deutschland nahm 1953 (München) bzw. 1955 (Berlin Ost, heute Dresden) ihre Arbeit auf. In internationaler Zusammenarbeit von 35 Ländern weltweit ist es bereits gelungen, 1,6 Mio. musikalische Quellen zu beschreiben.

Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB Dresden, die eine der beiden deutschen Arbeitsstellen beheimatet, betont: „600.000 Einträge zu Musikalien allein in deutschen Bibliotheken sind ein Beleg des reichen musikalischen Erbes unseres Landes. Diesen gewaltigen Datenschatz müssen wir pflegen, weiterentwickeln und alles dafür tun, dass er öffentlich kostenfrei zugänglich bleibt.“

Mit der Tagung in Dresden richtet die Arbeitsgruppe Deutschland den Fokus auf Musikdrucke. Deren Erfassung in RISM durchlief in den vergangenen 70 Jahren einen umfassenden technischen Wandel. Wurden die Daten zunächst in Schreibmaschinenlisten, Karteikarten, Büchern, Mikrofiches oder CD-ROMs festgehalten, stehen sie heute als Linked Open Data online zur Verfügung und werden von der Musikpraxis und der Forschung intensiv genutzt.

Seit mehreren Jahrzehnten begleitet die Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz im Rahmen einer Projektförderung im Akademienprogramm das Internationale Quellenlexikon der Musik (RISM).

Die Präsidentin der Akademie, Prof. Andrea Rapp, erklärt hierzu: „Es ist beeindruckend, wie RISM über Jahrzehnte hinweg den Medienwandel gemeistert und zugleich ein unschätzbares musikalisches Erbe bewahrt hat. Dieses Wissen und diese Quellen zu sichern und für die Zukunft zugänglich zu halten, ist von außerordentlichem Wert. Das Vorhaben verdient jede Unterstützung.“

Über RISM

Das Répertoire International des Sources Musicales (RISM) – Internationales Quellenlexikon der Musik – ist eine internationale, gemeinnützige Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit vorhandene musikalische Quellen umfassend zu dokumentieren: Musikhandschriften, Notendrucke, Schriften zur Musiktheorie und Libretti, die sich in Bibliotheken, Archiven, Kirchen, Schulen und privaten Sammlungen befinden. Die über 1,6 Millionen Datensätze können kostenlos über den RISM Catalog und RISM Online durchsucht werden. RISM wurde 1952 in Paris gegründet und ist die einzige weltweite Organisation, die schriftliche musikalische Quellen dokumentiert. In 35 Ländern beschreiben nationale Arbeitsgruppen mit weltweit insgesamt 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die musikalischen Quellen in RISM, die in ihren Ländern aufbewahrt werden. RISM ist in der Fachwelt als zentrale Nachweisstelle für Quellen der Musikgeschichte weltweit anerkannt.